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Reetdachdeckung

Material, Werkzeug, Dachaufbau, Arbeitsweise, Brandschutz

Die Wärme und Geborgenheit eines schönen Reetdaches strahlt auf das gesamte Bauwerk aus. Ein Naturbaustoff, ganz besonders interessant für den ökologischen Hausbau.

Reetdächer findet man im gesamten nord- und mitteleuropäischen Raum wie beispielsweise Niederlande, Dänemark oder auch in Frankreich.In Deutschland gibt es Reetdächer vor allem in den nördlichen Regionen, wobei es auch im Schwarzwald und häufiger noch, in Berlin-Brandenburg einige sehr schöne reetgedeckte Häuser gibt….

Lange stand das Bauen in Einklang mit der Natur, denn früher bauten die Menschen ihr Haus mit dem, was die Natur in der jeweiligen Gegend in ausreichendem Maße hergab: Holz, Lehm, Schiefer, Stroh oder Schilf.Durch die Industrialisierung im 19. Jahrhundert wurden die alten Baustoffe jedoch schnell verdrängt, das Reet- bzw. Strohdach durch Hartbedachungen wie Tonziegel und später auch Betonpfannen ersetzt.
Erst die Rückbesinnung auf natürliche Baustoffe brachte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts das Reet auf die Dächer zurück. Daher wird seit einigen Jahren dem Reet, als interessante Alternative zu anderen Dachwerkstoffen, eine immer größere Bedeutung eingeräumt.

Das Material

Reet (auch: Reeth, Ried, Rohr u.ä) bedeutet feuchte Niederung, mit Schilfrohr bedeckt. Das an Ufern oder auf sumpfigen Gelände wachsende Schilfrohr, wird im Winter bei Frost geerntet. Dann sind die Blätter welk, und die saftlosen Halme lassen sich gut schneiden. Nach der Ernte wird das Schilfrohr gekämmt, von Verunreinigungen gesäubert und zur Weiterverarbeitung gebündelt. Da der heimische Reetbestand lange nicht mehr genügt, werden die Halme aus Ungarn, Österreich, Rumänien, Polen, der Türkei, ja selbst aus China importiert.

Werkzeuge zum Decken eines Reetdaches

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1: Traufe, 2: Dachfläche, 3: neu vorgesetztes Stück, 4: Saumstock, 5: Saumhaken, 6: Treibbrett, 7: Saumdraht, 8: Drahtspule, 9: Nadel mit Öhre, 10: Nadel mit Widerhaken, 11: Bindung, 12: Reetmesser

Dachaufbau

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Frisch gedeckt hat das Reetdach im Mittel, eine Stärke von 30 cm. Das Reetdach hat an der stürmischen Küste den Vorteil, dass es dem Wind nachgibt; manch starke Böe, die ein Pfannendach abdecken würde, kann der dicken, aber weichen Reetdeckung nichts anhaben.
Und das Dach isoliert: Im Winter hält es, unter bestimmten Bedingungen, die wohlige Wärme, im Sommer sorgt es unter dem Dach für kühle Räume.

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Kommt ein Reetdach in die Jahre, haben Wind und Wetter an den Halmen gezerrt, wird die Deckung dünner. So hat ein Reetdach eine Lebensdauer auf der Wetterseite von etwa sechzig Jahren, auf der geschützten Seite kann es gut und gerne achtzig Jahre alt werden.

Neu gedeckt sieht ein Reetdach aus wie ein sorgsam geschorenes dickes Fell. Doch die Reetdachdecker schneiden nicht, sie klopfen. Zuerst werden die Halme bündelweise mit Draht auf die Dachlatten genäht. Schließlich klopft der Reetdachdecker mit seinem Klopfbrett die Halme auf gleiche Länge.

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Arbeitsweise

Reetdächer werden in zwei Arten gedeckt:

Gebundenes Dach

Beim gebundenen Dach beginnt der Reetdachdecker von der Traufe aus Lage für Lage ie Reetbunde an der Lattung zu befestigen. Hierzu legt er die Bunde auf die Lattung und darauf einen 5 mm dicken verzinkten Rundstahl(Schacht.-od.Dickdraht) parallel zur Lattung auf die Bunde. Dann bindet er den Schachtdraht alle 20 bis 25 cm mit Bindedraht locker an der Lattung fest. Nach dem öffnen der Bunde, klopft er die Enden des Reets mit dem geriffelten Klopfbrett in Lage der vorgegebenen Dachneigung. Danach muss er den Bindedraht anziehen, um das Reet mit dem Schachtdraht auf die Lattung zu drücken. Den Bindedraht verknotet er über dem Schachtdraht, oder dreht ihn einfach zusammen. An Stelle eines Bindedrahtes kann auch eine Schraube verwendet werden, um die mittig ein Draht gewickelt ist. Diese wird mit Hilfe einer Schraubverlängerung in die Lattung geschraubt. Bei dieser Methode spricht man von einem “geschraubten” Dach.

Genähtes Dach

Aufwändiger als beim gebundenen Dach, gestaltet sich der Arbeitsvorgang für ein genähtes Dach. Hier näht ein Reetdachdecker von außen und ein weiterer (“Gegennäher”) von innen, die Bunde mit einem nicht rostenden, kunststoffbeschichtetem oder feuerverzinkten Stahldraht von der Rolle fest. Mit einem speziellen Haken kann der Reetdachdecker aber auch die Aufgabe des Gegennähers einfach selbst übernehmen.

Brandschutz

Mit der Einmaligkeit eines Reetdaches ist leider eine erhöhte Brandgefahr verbunden. Daraus resultieren auch die geltenden Grenzabstände für weiche Bedachungen in den jeweiligen Landesbauordnungen. Es gibt aber einige Möglichkeiten die Brandgefahr zu mindern. Der Einsatz eines Brandschutzsystems an Ihrem Reetdach kann bis zu einer 50%igen Verringerung Ihrer Versicherungsprämie führen. Als Nachweis erhalten Sie für die Versicherung und/oder Behörde ein entsprechendes Zertifikat.